Missbrauchsstudie: Kommission stellt Ergebnisse vor

30. Oktober 2025 , 13:07 Uhr

Drei Jahre lang hat eine Unabhängige Aufarbeitungskommission Missbrauchsfälle im Bistum Augsburg untersucht. Am Donnerstag hat sie ihre Studie an Bischof Bertram Meier übergeben.

Auf über 200 Seiten hat die Unabhängige Aufarbeitungskommission die Ergebnisse ihrer Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg zusammengefasst. Heute hat sie sie an Bischof Bertram Meier übergeben. Die Untersuchungen reichen bis ins Jahr 1948 zurück. Mehr als 1500 Personalakten wurden dafür ausgewertet. Die Studie nennt 193 Missbrauchsfälle und 156 Betroffene. Die Taten sind 77 Beschuldigten bzw. Tätern zuzuschreiben. Die Dunkelziffer liegt aber noch weit höher, sagt Hubert Paul Leiter der Unabhängigen Aufarbeitungskommission.

In der Studie wurden nicht nur Zahlen von Taten und Betroffenen angeführt, sondern auch, wie die kirchlichen Verantwortungsträger damit umgegangen sind. Hat die Kirche bis in die 90er Jahre noch versucht, Taten unter den Teppich zu kehren und Täter zu schützen, so ist seit Anfang der 2000er ein deutlicher Paradigmenwechsel zu spüren, sagt Hubert Paul, der Leiter der Unabhängigen Aufarbeitungskommission. Während der Amtszeit von Bischof Stimpfle oder Bischof Dammertz haben die Verantwortlichen im Bistum Augsburg in rund zwei Drittel der Fälle nicht angemessen reagiert. Dieser Wert liegt in der aktuellen Amtszeit von Bischof Bertram Meier bei 0 Prozent. Verdachtsfällen wird heutzutage also konsequent nachgegangen.

Um in Zukunft sexuellem Missbrauch vorzubeugen, empfiehlt die Kommission eine Stärkung der Prävention, die Schaffung einer Kultur der Achtsamkeit, missbrauchssensible Aus- und Fortbildung der Kleriker, konsequentes Handeln gegenüber Beschuldigten und Tätern, eine Betroffenenfürsorge und ein transparentes Handeln der Verantwortungsträger.

Bischof Bertram Meier betonte in einem ersten Statement, wie tief er die Schuld empfinde, in der die Kirche den Betroffenen gegenübersteht. Und er dankte der Kommission für ihre immense und noch dazu ehrenamtliche Arbeit.

Der Bischof will sich jetzt die Zeit nehmen, die Studie, die er heute selbst zum ersten Mal in den Händen hielt, eingehend zu studieren und mit allen zuständigen Gremien Maßnahmen zur Prävention und Aufarbeitung zu ergreifen.

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