Stück für Stück kehrt in der Augsburger Innenstadt wieder der Alltag ein: Am vergangenen Dienstag wurden die weihnachtlichen Straßenbeleuchtungen und die Dekorationen aus künstlichem Tannengrün größtenteils demontiert. Das festliche Antlitz der Fußgängerzone weicht nun der Vorbereitung auf die nächste Saison. Ein markantes Wahrzeichen bleibt den Bürgern jedoch vorerst erhalten – wenn auch in veränderter Form.
Der „Christbaum für alle“ auf dem Augsburger Rathausplatz wird nicht einfach entsorgt. Er bildet das Herzstück einer lokalen Tradition: In Kürze wird die stattliche Tanne von der Berufsfeuerwehr zurechtgesägt und entastet, um anschließend von der Faschingsvereinigung „Under oiner Kapp“ (UOK) als Narrenbaum neu geschmückt zu werden. Damit läutet der Baum offiziell das bunte Treiben der Faschingszeit in der Fuggerstadt ein.
Interessanterweise klaffen der kommerzielle und der kirchliche Kalender hier weit auseinander. Während die Stadt bereits im Januar „abdekoriert“, beginnt für die Kirche die Weihnachtszeit streng genommen erst mit dem 25. Dezember und erstreckt sich über rund sechs Wochen. Das traditionelle Ende markiert das Fest Mariä Lichtmess am 2. Februar. Dieser Tag, exakt 40 Tage nach der Geburt Jesu, erinnert an das Ende des Wochenbetts Marias und war früher der klassische Termin, an dem Christbäume und Krippen aus den Wohnstuben und Kirchen entfernt wurden. In Augsburg verbindet der Rathausplatz nun beide Welten: Die Optik ändert sich Richtung Fasching, während der ökumenische Gedanke der Weihnachtszeit noch bis in den Februar nachwirkt.