Der Nördlinger Kirchturm „Daniel“ hat seine treueste Wächterin verloren. Wie nun bekannt wurde, ist die legendäre Turmkatze Wendelstein im Alter von 18 Jahren verstorben. Die dreifarbige Glückskatze war weit über die Grenzen des Rieses hinaus als internationale Berühmtheit und Symbol der Stadt bekannt.
Die Geschichte von Wendelstein gleicht einem modernen Tiermärchen:
Karrierestart: Im Jahr 2009 lief sie den Türmern auf dem knapp 90 Meter hohen Turm zu. Sie blieb einfach oben und machte sich nützlich.
Der „Job“: Als hocheffiziente Tauben- und Mäusejägerin hielt sie den Turm sauber. Ihre Arbeit war so wertvoll für die Stadtverwaltung, dass ihr Futter und die Tierarztkosten als eigener Posten im städtischen Haushalt geführt wurden.
Weltruhm: Filmteams aus Japan und Fans aus aller Welt reisten an, um Wendelstein in der Türmerstube zu besuchen. Sogar ein eigenes Profil in sozialen Netzwerken machte sie zum Star.
Nach 15 Jahren im „Dienst“ wurde Wendelstein erst im März 2024 offiziell von Oberbürgermeister David Wittner in den Ruhestand verabschiedet. Da sie zuletzt erblindet war und die 350 Stufen des Turms nicht mehr bewältigen konnte, verbrachte sie ihren Lebensabend wohlbehütet bei einer Pflegefamilie „unten“ in der Stadt. Dort ist sie nun aufgrund ihres hohen Alters friedlich gestorben.
Wer auf eine neue Katze auf dem Daniel hofft, wird enttäuscht: Die Stadt Nördlingen plant aktuell keine Nachfolge. Die Entscheidung hat einen ernsten Hintergrund: Wendelstein war als Jungtier freiwillig zugelaufen. Eine neue Katze müsste aktiv an den Turm gewöhnt werden, was ein langes „Einsperren“ in der Türmerstube bedeuten würde – eine Maßnahme, die aus Tierschutzgründen abgelehnt wird.
Nördlingen verliert mit Wendelstein eine Botschafterin, die den Charme der Stadt auf Samtpfoten in die Welt getragen hat.